NamCare e.V. – zahnärztliche Hilfe für Namibia
Wir haben unsere Arbeitsbasis in Sesfontein / Namibia. Im dortigen staatlichen Health Centre haben wir ein Behandlungszimmer eingerichtet. Regelmäßig besuchen Teams von NamCare Sesfontein um den Menschen vor Ort eine zahnärztliche Grundversorgung anzubieten. Die Zahnärzte von NamCare e.V. arbeiten ausschließlich ehrenamtlich.
Auf diesen Seiten finden Sie Informationen zur Arbeit von NamCare. Wenn Sie interessiert sind, die Arbeit von NamCare e.V. durch eigenes Anpacken oder finanziell zu unterstützen, dann freuen wir uns.


… neuste Einsatzberichte

  • Status Quo!

    Zwei Einsätze im Jahr, im Frühjahr und dann im Spätherbst,
    sind eigentlich die Regel für unser Projekt in Sesfontein.
    Das Virus und auch die Arbeit um die Verlängerung unseres MoU’s 5 Jahre Laufzeit waren schon fast abgelaufen –haben im Mai dieses Jahres ein wenig die eingespielten Abläufe gestört.
    Trotz intensiver Vorbereitung und zweier Meetings 2021 im Ministerium wurde am Ende die Zeit zur Verlängerung unseres MoU’s eng.
    Nach einem Kurzeinsatz im Health Center Anfang Mai, ging es zurück nach Windhoek um dort über Tage , mit viel Wartezeiten, nach dem Verbleib des Vertrages zu forschen. Eigentlich war das MoU schon im September 2021 unterschrieben, aber nirgendwo auffindbar. Ursächlich dafür war ein coronabedingter, ständiger Personal-Wechsel im Ministerium, der den Vertrag auf irgendeinem Schreibtisch untertauchen ließ.
    Erst die Intervention beim, und dann durch den Executiv-Director führte zeitnah zu einem Termin mit offizieller Übergabe des MoU an namCare e.V.
    Neben der Verlängerung bis ins Jahr 2027, gab es unter anderem die Zusage, dass namCare eine feste zahnärztliche Einheit in Sesfontein installieren wolle, wobei die Vorinstallationen hierzu seitens des Ministeriums erfolgen sollten. Als Ende Juni die Lieferung der Einheit auf den 2.August terminiert wurde, nahmen die Dinge ihren „afrikanischen“ Lauf. Telefonate und Mails führten eigentlich nur zur Erkenntnis, dass in Opuwo, Sitz der zuständigen Regionalregierung, weder die Sachkenntnis noch das Budget zur Vorinstallation vorhanden waren. Mit der Rückendeckung des Vorstandes machte sich der Protagonist kurzfristig auf den Weg.
    Über Opuwo, wo mir Tjiputi, Chefhandwerker der Klinik für 2 Wochen zur Seite gestellt wurde, ging es auf eine abenteuerliche Einkaufstour. Müßig zu erwähnen, dass OBI oder Bauhaus keine Filialen dort betreiben, also Kompromissbereitschaft was Materialien und Werkzeuge betraf, war angesagt.
    Zurück in Sesfontein begannen wir noch am gleichen Tag mit den Arbeiten. Boden aufbrechen, Schlitze in den Wänden für die Elektik , hatte ich nach ausführlicher Einweisung Tjiputi übertragen.
    Denn mit dem Auftritt des Zahnarztes im Health Center füllte sich schlagartig die Wartezone vor unseren Räumen. Da war ich froh, dass uns die Nurse Marvee, der Patrick Goedicke und ich im Novembereinsatz Grundlagen der Assistenz vermittelt hatten, zur Seite sprang. Im Nebenraum richteten wir einen Emergency Room ein, der gut besucht wurde.
    Vorbereitende Arbeiten oder gar Arbeitsschutzrichtlinien waren dem Handwerker allerdings fremd. Mit einer großen Flex wurde nicht nur der Boden aufgeschnitten, sondern auch gleich noch quer durch den Einbauschrank eine Verbindung zum Abfluss an der Aussenwand geschaffen. Einige Episoden dieser Art später war das Nötigste geschafft und die Grundreinigung des Behandlungszimmers kurz vor Anlieferung der Einheit beendet.
    Innerhalb nicht ganz 2 Tagen erledigten die beiden Techniker von Gendent dann Ihren Job, der sich hinter dem eines hiesigen Dentaldepot nicht zu verbergen brauchte.
    Voll Stolz musste dann, wie in Afrika üblich, die gesamte Truppe auf ein Bild ! „I am over excited“ war der Kommentar von unserer Chefnurse, aber das traf beim Anblick der Einheit für alle zu.
    Leider, und auch das ist ein Stück weit Afrika, mussten wir dann feststellen, dass der Wasserdruck der Klinik bei weitem nicht ausreicht, um unseren Stuhl funktionsmäßig einzusetzen.
    Ursache ist eine seit fast einem Jahr defekte Pumpe. Da in der ganzen Kunene-Region offenbar niemand die Kompetenz hatte, dies zu regeln, war die vorzeitige Rückreise nach Windhoek angesagt, um im Ministerium vehement den notwendigen Ersatz einzufordern. Derzeit scheint dies auf einem guten Weg.
    Zusammen mit Dieter Lehmann freuen wir uns auf einen hoffentlich wieder erfolgreichen Einsatz in Sesfontein im Oktober.
    Allen unseren Freunden, Unterstützern und Sponsoren
    an dieser Stelle einmal mehr ein herzliches Dankeschön !
    Dr.Rainer Schwedt
    Heusweiler, im August 2022

  • Wieder in Namibia Nov. 2021

    (von Dr. Rainer Schwedt)
     – in the right place at the right time – !!!

    So wurden wir bei unserer Ankunft in Spitzkoppe, auf dem Rückweg von Sesfontein, begrüßt. Dass diese überaus freundliche Begrüßung kurz nach unserer Rückkehr eine völlige neue Bedeutung erlangen sollte, hatten Patrick Goedicke und ich nicht auf dem Plan.
    Es schmerzt schon, dass Namibia, wenn auch aus verständlichen Gründen, erneut zu einem Hochrisikogebiet erklärt wurde. Gerade in der Zeit unseres Einsatzes konnten wir erleben, wie das Land, die Menschen wieder aufatmeten und sich auf einen Neuanfang freuten. Tief waren die Wunden, die das Virus im Juni bis August mit unglaublichen Inzidenzien und vielen Toten Namibia zugefügt hat. Die wirtschaftlichen Schäden sind überall sichtbar. Und gerade begann ein erfreulicher Anstieg der Tourismuszahlen, auf die alle gewartet haben.
    Ende Oktober waren die Zahlen im Land so, dass wir uns relativ kurzfristig entschlossen, den seit 2 Jahren existierenden Plan für einen gemeinsamen Einsatz doch umzusetzen. Derzeit fliegt einzig die Eurowings Discovery Windhoek an, mit kleineren Maschinen, dafür zum fast doppelten Preis!!! Wir ergatterten eine der letzten freien Plätze und am 05. November ging es los.
    Windhoek empfing uns mit einem neu ausgebauten Terminal, Sommerwetter und unserem Namibiafreund Bernd Schneider, der den Transfer zum CarRental erledigte. Gegen 11Uhr waren wir auf dem Pad nach Norden, mit wenig Verkehr und auffallend vielen Stellen, an denen Buschbrände ihre Spuren hinterlassen haben. Den Grootbergpass hatte man uns empfohlen zu vermeiden, wir nahmen die Route über Khorixas, an Twyfelfontein vorbei nach Sesfontein. Dort war eigentlich alles wie früher, diese Region ist von dem Virus weitestgehend verschont geblieben. Im Fort war gab es nur eine Minimalbesatzung, bis dato waren Touristen Mangelware.
    Dennoch war der Empfang überaus freudig, natürlich auch im Health Center. Dort konnte ich Patrick auch den Nachfolger von John Shikale vorstellen. Tjikundi Kati ist der neue Chef, und um es gleich vorweg zu nehmen, ein absoluter Gewinn. War John sehr erfahren und ein Meister der „freien Choreographie“, ist Tjikundi klar strukturiert und überaus korrekt. Er steuert die Abläufe der Klinik, trotz seines jungen Alters, sehr souverän. 
    So hat er zwei junge Auszubildende in seiner Obhut, von denen er uns, ohne Auffoderung, Malewa als Hilfe abstellte. Ein riesen Vorteil für uns, fortan gab es keine Sprachschwierigkeiten mehr, sie war in mindestens 3 Stammessprachen perfekt. 
    Am Patienten halfen wir uns, wenn notwendig gegenseitig. Alles völlig unprätentiös, war dies doch schon unsere dritter gemeinsamer Einsatz in Afrika.
    Ob der Hitze, es ist gerade Sommer im Süden und 40 Grad ist Standard, hatten wir Bedenken wegen der Patienten. Doch das System Tjikundi funktionierte perfekt. Der Klinikalltag beginnt heuer nun um 8.30 Uhr und endet pünktlich um 16 Uhr. Danach ist das Health Center fast menschenleer. Auffallend, alle unsere Patienten waren voruntersucht, und hatten eine aktuelle Temperaturmessung im Gesundheitspass.
    Als wir zur Schule wollten, bat unser „ Kollege“ darum, dass er dies für uns arrangieren dürfte. Es war ihm wichtig.
    Zwei Stunden später fanden sich die ersten Schulkinder ein, und ihre gelb-roten Uniformen waren fortan ständig in unserem Wartebereich vertreten.
    Dass die Nachhaltigkeit unserer Arbeit in Sesfontein langsam an Fahrt aufnimmt, haben wir mit viel Freude wahrgenommen. Wiedereinbestellungen funktionierten zu minimum 80%, freiwillige Besuche, also ohne Schmerzen, waren gehäufter als früher. Vor allem Patrick konnte einige Patienten davon überzeugen, den kritischen Weisheitszahn sofort zu entfernen, bevor er schmerzt und dann keine Hilfe vor Ort ist.
    Auch etwas, was unser Standing verbesserte, sind die ( kubanischen? ) Kollegen in Opuwo und Otjiwarongo. Gehäuft gab es Patienten, die dort unbehandelt nach Hause fuhren.
    Eine tolle Geschichte waren auch unsere Masken. Aus dem Fundus der Firma Kawumm, Saarbrücken erhielten wir, als Spende, reichlich Stoffmasken, die hierzulande nicht mehr verwendet werden. In Sesfontein sind sie dafür besser als nichts, und waren ein begehrtes Geschenk.
    Über zwei Wochen hatten wir eine ausgesprochen intensive Zeit, bei viel guter Arbeit, aber auch mit der Weite, der Stille, dem ewig blauen Himmel und der Sonne in diesem, Land. Nichts war eng !
    Danke Namibia und danke Patrick für deine Zeit !
     
    Allen unseren Unterstützern gilt ein besonderer Dank ,
    ebenso unseren Sponsoren.
    Vocco
    Septodent
    Kawumm
    Fort Sesfontein Lodge
     
    Dr.R.Schwedt
    November 2021

  • Ein saarländischer Weg

    6000 unverimpfte Dosen Astra Zeneca im Saarland, die niemand mehr haben wollte. Und Namibia hatte zu diesem Zeitpunkt eine Inzidenz von 1450 !!!
    Eigentlich ein Unding, wenn man die Situation in Sesfontein kennt und im ständigen Kontakt ist. Da lag es doch nahe, dass namCare diese Impfdosen haben wollte, um sie im HealthCenter verimpfen zu lassen. Ein paar Telefonate später – saarländischer Weg nennt man das bei uns – gab es dann den direkten Kontakt zu Monika Bachmann, Saarlands Gesundheitsministerin. Diese klärte aber auf, dass diese Dosen an den Bundesgesundheitsminster zurückgeführt werden müssen und es zudem komplexe rechtliche Vorschriften zu beachten gäbe. Auch verfalle das Haltbarkeitsdatum dieser Dosen in maximal 10 Tagen. Man war sich zwar persönlich bekannt, dennoch wusste die Ministerin aber nichts über namCare e.V. und bat um Informationen via Mail.
    Schon am darauffolgenden Tag bot sie dann 4 Beatmungsgeräte aus dem Fundus der Landesregierung für namCare / Namibia als Soforthilfe an.  Bedingung war ein finanzieller Obulus für die Geräte und den Transport müsste namCare organisieren. Das mit dem Obulus war vorstandsmäßig schnell geklärt, das mit dem Transport wurde aber eine Mammutaufgabe.
    Eine kleine Randnotiz an dieser Stelle :
    Frau Bachmann nahm sich gar die Zeit, ihrem Kollegen in Berlin, – „ lieber Jens“ !!!! – , namCare e.V. und unsere Ziele vorzustellen, und um überschüssige Impfdosen für Namibia zu bitten. Es sei ihr ein Herzenswunsch.! Ganz großes Kino, danke dafür.
    Leider entschied das Bundesministerium, überschüssige Dosen an die WHO zur Verteilung weiterzuleiten. Ob dadurch etwas bei den Ärmsten an der Basis ankommt ist zu bezweifeln.
    Schnell war klar, dass auf dem normalen Luftweg weder kostengünstig, zeitnah und vor allem unbürokratisch nichts zu bewerkstelligen war. Telefonate später, dann die Info, die Bundeswehr plane einen Hilfsflug nach Windhoek. Was folgte war ein Telefonmarathon, der mit einem Rückruf der Verteidigungsministerin am frühen Abend endete – saarländischer Weg,, der zweite – . Eine eingehende, zweitägige Prüfung der BW, ob des gesamten Vorganges und endete mit einem erneuten Telefonat des Verteidigungsministeriums, dass derzeit keine Flüge in den Süden Afrikas stattfinden.
    Helmut Gries, Freund und Namibiaphotograph, bestens vernetzt, wusste von einer namibischen Ärztin in München, die auch 3 Beatmungsgeräte organisiert hatte und diese über die Botschaft in Berlin verschicken wollte. Auf diesen Zug sind wir dann aufgesprungen. Zügig waren Absprachen, Schriftstücke usw. völlig unbürokratisch in der Botschaft abgeklärt.
    Als sicherster und schnellster Weg nach Berlin erschien dann der Transport der Geräte, nebst Zubehör, im Auto des Präsidenten. Aber, auch in CoronaZeiten gibt es jede Menge Staus, einmal quer durch die Republik, es war ein Tagestrip. Aber er war alle Strapazen wert. In Berlin wartete ein Stück Namibia . Offene Herzlichkeit, ehrliche Dankbarkeit, trotzdem unaufdringlicher Stolz , alles was wir an den Menschen in Namibia so schätzen, war für einen Moment wieder da. Bei mir auch die Sehnsucht bald wieder dort zu sein, in Namibia , „dieses abweisend-anziehende wunderschönste andere Ende der Welt!“ (E.Michel).
    Seit Anfang dieser Woche sind die Geräte auf dem Weg nach Opuwo. Tomas Shapumba, Regional Health Director , bat mich, tief berührt, allen, die an dieser Aktion beteiligt waren, seinen Dank und den der ganzen Kueneregion auszusprechen.
     
    Okuhepa, wie man dort sagt,
    Monika Bachmann, Ministerin für Gesundheit und Soziales, für die spontane Übereignung der Geräte,
    Claudia Kreer-Igel, Thomas Scherff , und Helmut Gries, die Türen öffneten,
    und last but not least Annegret Kramp Karrenbauer, Bundesministerin für
    Verteidigung für einen beeindruckenden Support !
     
    Nicht zu vergessen die Freunde und Förderer von namCare e.V., ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre.
    Gut, dass ihr da ward !
     
    Dr.Rainer Schwedt
    Heusweiler, im August 2021

Weitere Einsatzberichte